Eine gesunde Ausscheidung

Ausscheidung ist nicht gerade ein Super-Thema, mit dem wir uns wahnsinnig gern beschäftigen. Es sei denn, es bereitet uns Probleme und wir werden dazu gezwungen. In Wahrheit aber sind die Details rund um unsere Ausscheidung ein Spiegel unserer Gesundheit und oft auch unserer Lebensqualität. Was aber ist eine gesunde Ausscheidung? Angeblich gibt es Menschen, die nur alle zwei Wochen Stuhlgang haben und das selbst als ganz normal betrachten. Aber seien wir einmal ganz ehrlich: Wer hat nicht schon einmal gelitten unter Verstopfung, Durchfall oder ähnlichen Problemen? Für viele sind solche Störungen allerdings schon zur Routine geworden und in unserer Kultur haben wir eine ziemliche Hemmschwelle, darüber zu sprechen. Ayurveda hat eine Menge zu sagen, warum diese Störungen bei uns so verbreitet sind und wie man gegenlenken kann. Vielleicht ist es an der Zeit, falsche Scham, alte Narben und Widerstände in diesem Zusammenhang aufzugeben.

Der folgende Text versucht die ayurvedische Perspektive zu diesem Thema tiefgehend aufzugreifen. Natürlich kennt Ayurveda auch Hausmittel zur Linderung einer akuten Verstopfung oder eines Durchfalls, aber hier soll es um häufig auftretende Symptome und deren Wurzel gehen. Unsere Gewohnheiten rund um unsere Ausscheidung verraten nämlich viel über das, was es bräuchte, um unsere Körper wieder ins Lot zu bringen.

Ayurveda betrachtet die Ausscheidung als wichtigen Indikator, da diese auf ein starkes AGNI (Verdauungsfeuer) verweist, dem Eckpfeiler von Wohlfühlen und Langlebigkeit. Eigentlich bezeichnet Ayurveda den Verdauungstrakt als den Ort, an dem ein Ungleichgewicht im Körper ursprünglich entsteht. Daher ist die Beschaffenheit unseres Stuhls ein frühes Warnzeichen, dass etwas durcheinander geraten ist, auch wenn dies anfänglich nur in geringem Ausmaß der Fall sein sollte. Wenn man ein aufkommendes Ungleichgewicht in diesem Bereich allerdings ignoriert, so wird es sich dort einnisten oder sich auf anderes Gewebe ausbreiten (mit weitreichenden Auswirkungen) und Schaden anrichten. Dann gibt es sich nicht von selbst, sondern wächst sich nur aus! Wenn wir allerdings lernen auf frühe Misstöne zu hören, haben unsere Körper auch eine bemerkenswerte Fähigkeit zur Selbstheilung.

Es ist durchaus verblüffend, wie viel wir über uns selbst lernen können, nur indem wir auf unsere Ausscheidungsgewohnheiten und unseren Stuhlgang achten. Aufgrund der Tabuisierung dieses Themas werden aber die leisen Hinweise über Gesundheit oder Störungen im Zusammenhang mit unserer täglichen Ausscheidungszyklen oft übergangen. Die folgenden Ausführungen sollen Licht in dieses Kapitel und eine gesunde Ausscheidung in Ihr Leben zu bringen.

Was macht eine gesunde Ausscheidung aus?

Nach ayurvedischer Auffassung findet eine gesunde Ausscheidung ein bis zweimal täglich statt. Im Idealfall hat man den ersten Stuhlgang in der Früh, ein paar Minuten nach dem Aufstehen, am besten noch vor dem Sonnenaufgang. Wenn es einen zweiten Stuhlgang gibt, so findet dieser meist nach einer Mahlzeit, am Nachmittag oder Abend statt. Ausgeglichener Stuhl

  • ist gut geformt und hat die Konsistenz einer reifen Banane
  • behält seine Form nach der Ausscheidung bei
  • haben eine helle bräunlich-gelbe Farbe
  • schwimmt (bei einer Toilette mit Tiefspüler)
  • ist leicht ölig
  • ist nicht klebrig; der Anus kann leicht gereinigt werden und der Stuhl klebt nicht an der Toilette
  • hat nur einen milden Geruch.

Bei den meisten Menschen schaut die Realität etwas anders aus! Das ist nicht verwunderlich in Anbetracht unserer stressigen Lebens- und Essgewohnheiten, die sich auf unsere Ausscheidung niederschlagen. Daher ist es umso wichtiger, sich mit diesem Thema zu beschäftigen und die Balance in unserem täglichen Stuhlgang und unseren Körpern zu festigen.

Der Ausscheidungs-Trakt aus dem Blickwinkel des Ayurveda:

Im Ayurveda werden die physiologischen Systeme im Körper (wie das Fortpflanzungs- und Urogenitalsystem) als Kanäle bezeichnet – jedes mit wichtigen allgemeinen Funktionen. Ayurveda hat bereits vor 5000 Jahren die Nahrungskette (welche im Mund beginnt und im Dünndarm endet) unterschieden von der Kette aus festen Abfallstoffen (welche im Dickdarm beginnt und im Anus endet).

Ayurveda betont immer die Wichtigkeit des richtigen Flusses in allen Kanälen des Körpers, ebenso im Ausscheidungskanal. Eine regelmäßige Ausscheidung ist wesentlich um die Verdauungskanäle ordentlich am Laufen zu halten. Eine gesunde Ausscheidung leistet aber auch die kritische Funktion Wasser und Glukose zu absorbieren, den Stuhl zu formen, feste Abfallstoffe auszuscheiden und Schwermetalle und Giftstoffe aus dem Körper auszuleiten.

Häufige Störungen im Ausscheidungstrakt

Wir können viele Dinge tun, um generell eine gesunde Ausscheidung zu fördern, indem wir verstehen, welche Doshas in der jeweiligen Problematik beteiligt sind, werden unsere Strategien umso fokussierter ausfallen.

PDF TABELLE GESUNDER STUHL VERSUS UNGESUNDER STUHL

Manchmal ist es sehr einfach auf den ersten Blick die persönlichen Tendenzen zu erkennen, sollten Sie unsicher sein, kann Ihnen ein erfahrener Ayurveda-Therapeut sicher weiterhelfen.

Komplexere Störungen

Es ist wichtig, darüber Klarheit zu haben, dass seit langem bestehende Störungen im Ausscheidungstrakt oft mit mehreren Doshas (Bioenergien) verbunden sind und zu komplexeren gesundheitlichen Störungen führen können. Manche sind ernshaft und sollten nur mit einem qualifizierten Praktiker in Zusammenarbeit mit Ihrem Hausarzt oder Facharzt behandelt werden.

Allgemeine Strategien für eine Gesunde Ausscheidung

Bei allen Arten von Störungen helfen folgende Maßnahmen ganz generell zur Etablierung einer gesunden Ausscheidung und sind für jeden geeignet:

Trinken

Beginnen Sie den Morgen mit einem Glas Wasser!

Die Trinkgewohnheiten beeinflussen unsere Verdauung und Ausscheidung gleichermaßen. Wieviel Flüssigkeit wir brauchen hängt von vielen Faktoren ab, aber sicher ist, dass wenn unser Urin spärlich, unregelmäßig und dunkel ist und stechend riecht, oder eine Neigung zur Verstopfung oder trockener Haut vorliegt, man dehydriert ist.

Wenn Du denkst, dass Du dehydriert bist, versuche morgens nach dem Aufstehen ein, zwei Tassen warmes Wasser zu trinken und ein großes Glas Wasser mit Zimmertemperatur 20 bis 30 Minuten vor den Mahlzeiten. Dadurch reinigt man nicht nur das Gewebe, sondern weckt auch die Verdauungskraft ungemein. Ayurveda rät generell ab von (eis-)kalten Getränken und empfiehlt nur ein paar Schlucke während des Essens zu trinken, um den Verdauungsprozess nicht zu beeinträchtigen. Man sollte auch darauf achten, genug reinigende Flüssigkeiten zu sich zu nehmen – hauptsächlich Wasser und Kräutertees. Zu vermeiden sind Getränke mit Zucker, Koffein und Kohlensäure. Für manche Typen können kleine Mengen an Frucht- oder Gemüsesäften gut sein.

Eine Tagesroutine installieren

Unsere Körper sind sehr abhängig von unseren Gewohnheiten. Eine Regelmäßigkeit im Tagesablauf wirkt auch positiv auf eine regelmäßige Ausscheidung. Falls Sie sehr unregelmäßig leben, fangen Sie mit kleinen Schritten an: z.B. um dieselbe Zeit aufzustehen und zu Bett zu gehen, zur selben Zeit die drei Hauptmahlzeiten zu pflegen. Diese einfachen Dinge wirken beruhigend auf Ihr Nervensystem und stete Körperfunktionen.

Auch kann es eine Hilfe sein, eine fixe Zeit fürs stille Örtchen einzuplanen, jeden Morgen, auch wenn sich (noch) nichts tut, sitzen Sie einfach ein paar Minuten still da, atmen Sie in den Bauch und laden Sie so ein Entspannungsritual in Ihren Start in den Tag ein.

Auch Bewegung ist natürlich von Bedeutung für die tägliche Ausscheidung. Sind wir inaktiv, so wird auch diese träge und unregelmäßig. 3 – 4 mal pro Woche sollten wir uns eine Stunde lang bewegen, zumindest flott spazieren gehen. Je nach Typ und Alter variiert natürlich auch der Bedarf an körperlicher Bewegung.

Richtig essen

Für eine optimale Verdauung sollten wir den Magen nur zu einem Drittel mit Nahrung, einem Drittel mit Wasser und einem Drittel mit „Nichts“ füllen, also leer lassen. Wie zu erwarten hat jede Art von Fasten oder Diät eine tiefgreifende Auswirkung auf die Ausscheidung. Eine gesunde Diät legt die Betonung auf saisonales Gemüse und Hülsenfrüchte und schränkt sich hinsichtlich raffiniertem Zucker und industriell verarbeiteten Lebensmitteln ein. Es ist dabei nicht nur wichtig was wir essen, sondern auch wie, wann, wieviel und wie oft wir essen. Indem wir eine klare Ausrichtung hinsichtlich unserer Lebensgewohnheiten anstreben, fördern wir auch das Thema Verdauung und Ausscheidung. Folgende ayurvedischen Grundsätze helfen dabei:

Das Hungergefühl: Grünes Licht fürs Essen

Ayurveda betrachtet das eigene Hungergefühl als Indikator, dass der Körper wieder bereit ist Nahrung aufzunehmen. Für viele ist es schwierig echten Hunger von Heißhunger oder Appetit zu unterscheiden. Wenn wir eine richtige Mahlzeit innerhalb der letzten 3 – 4 Stunden eingenommen haben, können wir prinzipiell nicht schon wieder hungrig sein, sondern nur „emotional hungrig“. Dann war entweder das vorige Essen nicht ausgewogen genug oder die Atmosphäre beim Essen nicht nährend, oder wir haben die schlechte Gewohnheit uns einfach immer „voll“ füllen und fühlen zu müssen, oder, oder… Echten Hunger fühlen wir zum Beispiel nach einer längeren Wanderung und mindestens 4 Stunden ohne Essen. Auch ist ein echtes Hungergefühl immer gekennzeichnet von einem Gefühl der Leichtigkeit, einer unmittelbaren Freude auf das und beim Essen.

Nicht überessen

Im Westen sind wir an zuviel essen gewöhnt. Ayurveda empfiehlt es, nur soviel zu essen, wie in unsere beiden Handschalen passt. Wir sollten nie soviel essen, dass wir uns voll fühlen.

Genug Zeit zwischen den Mahlzeiten einhalten

Der Stoffwechsel arbeitet am besten, wenn die letzte Mahlzeit ohne Rückstände komplett verdaut wurde. Daher sollte man normalerweise mindestens 3 – 4 Stunden zwischen den Mahlzeiten verstreichen lassen, ohne zwischendurch zu snacken oder Fruchtsäfte zu trinken.

Fasten und entschlacken Sie regelmäßig

Das Verdauungsfeuer durch eine Reinigungskur anzufachen ist ein kraftvoller Weg eine gute Verdauung und Ausscheidung anzukurbeln. Unsere Körper besitzen eine angeborene Intelligenz: sobald wir eine Pause machen mit der Nahrungsaufnahme, setzen sofort Reinigungs-, Reparatur- und Recyclingprozesse ein, die sonst nicht zur Verfügung stehen. Als würde der ganze Organismus nur darauf warten, dass wir endlich einmal Ruhe geben und nichts mehr in uns hineinstopfen. Ayurveda bietet eine Vielzahl an Reinigungsmaßnahmen an, von der Monodiät über das intermittierende Fasten bis zur ausgefeilten Pancha Karma Reinigungskur.

Meditieren sorgt für die innere Ruhe

Da Stress einen schlimmen Raubbau an unserer Gesundheit bewirkt, ist es besonders wichtig, den Geist zur Ruhe zu bringen und hat dies auch einen Einfluss auf unsere Verdauung, emotional ebenso wie physisch und mental. Meditation ist eine sehr effektive Technik zur Stressreduktion – in der Meditation finden wir auch intuitiv zu konstruktiveren Lösungen für stressige Szenarien in unserem Leben. Schon 10 – 15 Minuten täglich können einen Einfluss haben auf unsere gesamte Verfassung und Verdauungskapazität.

Fünf Minuten Pranayama

Pranayama ist eine Atem-Praxis mit der man feine und grobe Aspekte im Körper-Seele-Geist-Organismus beeinflussen kann. Ähnlich der Meditation unterstützen diese Übungen das Nervensystem und entspannen Stressmuster, welche auch eine Wechselwirkung auf unsere Verdauung haben.

Yoga praktizieren

Yoga ist auch eine der Therapien, welche helfen kann Stress zu reduzieren, die Verdauung zu stärken und die Ausscheidungskanäle entspannt und im Fluss zu halten. Viele der Yogahaltungen haben in diesem Zusammenhang eine äußerst förderliche Wirkung.

Triphala

Triphala, ist eine traditionelle ayurvedische Kräutermischung, bestehend aus drei Früchten, die speziell auf die Funktion des Dickdarms ausgerichtet ist und daher eine gesunde Ausscheidung bewirkt. In Indien nehmen Frauen oft ihr ganzes Leben diese nebenwirkungsfreie Kräutermischung ein, um eine regelmäßige Verdauung zu unterstützen. Es ist altbewährt für seine Eigenschaften, den Darm sanft zu reinigen und zu entgiften, das Darmgewebe wird regeneriert, genährt und verjüngt.

Eine halbe Stunde vor dem Bettgehen, zwei Triphalla Tabletten oder 1 Teelöffel Pulver (welches man 10 Minuten in Wasser geköchelt hat) mit einem Glas warmem Wasser einnehmen.

Wie ist es um Dein AGNI bestellt?

Wenn es zu Störungen im Ausscheidungskanal kommt, ist oft der Schlüssel im Verdauungsfeuer (Agni) zu suchen.

Dein einzigartiger Weg zur Heilung

Ayurveda wertschätzt die angeborene Intelligenz des Körpers. In vielen Fällen heilt sich der Körper letztlich selbst, wenn wir ihm helfen, wieder in eine gewisse Balance zu finden. Im Ayurveda ist der Kontext ebenso entscheidend wie das Prinzip der Angemessenheit. Wir müssen hinter unsere Symptome schauen und die grundlegende Störung suchen. Indem wir diese Wurzel zu korrigieren versuchen, sind wir bereits mitten im Heilungsprozess. Jede individuelle Situation ist dabei entscheidend. Zwei Personen, die unter Verstopfung leiden, brauchen meist anders nuancierte, maßgeschneiderte Therapien. Alles hängt ab von der Konstitution, dem Alter, Lebensstil, individuellen Stärken und Schwächen etc.. Jede Geschichte zählt: Wodurch bist Du dorthin geraten, wo Du jetzt „steckst“? Dieser Kontext gibt Aufschluss über die größten Heilungschancen und den einzigartigen Heilungsweg.

Ayurveda bietet eine große Palette an eleganten Anwendungen und Maßnahmen für jedes Leiden. Manchmal braucht es Geduld und einige Anläufe, um das richtige „Werkzeug“ oder die passende Therapie zu finden, wobei jeder Schritt zählt. Ein Ayurveda Praktiker kann helfen, den Dingen auf den Grund zu gehen und Sie bei der Lösung Ihrer ganz besonderen Anliegen unterstützen: AYURVEDISCHE GESUNDHEITSBERATUNG UND KONSTITUTIONSANALYSE