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Der Wetterhahn dreht sich

Der Wetterhahn dreht sich!

In der letzten Woche hatte ich wieder einmal die sehr direkte Erfahrung, wiesehr emotionaler Stress Appetit und Verdauungskraft stören. Als Vata-Typ erlebte ich umso stärker, wie mein Vata anstieg, mein Magen und Darm rebellierten und ich sogar mehrere Tage lang nur ganz leichte Speisen zu mir nehmen wollte, mehr ging einfach nicht. Dann war aber meine Stabilität und Kraft schneller wieder hergestellt, als befürchtet.

Da Stress generell unser Vata erhöht, kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass der Großteil der Bevölkerung nach den letzten zwei Jahren an einer Vata-Störung leidet. Was bedeutet das?

Manchmal kann ein Vata-Typ alles gut verdauen, doch sehr leicht leidet er unter Blähungen, Völlegefühl, kolikartigen Verdauungsbeschwerden oder dem leidigen Thema Verstopfung. Um dem wechselhaften Vata-Stoffwechsel mehr Stabilität zu verleihen, sollten betroffene Menschen besonders auf eine ruhige, regelmäßige Lebensführung achten.

Viele Vata-Probleme machen sich besonders im Winter bemerkbar: eine labile Gesundheit, innere Schwäche oder trockene und spröde Haut. Kaltgepresste Öle und Ghee in den Speisen, Gewürze wie Anis, Zimt und Ingwer und regelmäßige (Selbst-)Massagen mit Sesamöl helfen hier, das erhöhte Vata wieder zu erden. Aber auch bei wechselhaftem Wetter oder bei Übergangszeiten kann unser Vata stark in Mitleidenschaft gezogen sein.

Vata-dominierte Menschen frieren generell leicht und haben einen empfindlichen Darm. Ihnen helfen leicht verdauliche und wärmende Speisen, wie saftig gekochte Gemüseeintöpfe mit Reis, Hirse oder Hafer, sämige Suppen und etwas warme Honig-Milch mit einer Prise Muskat vorm Schlafengehen. Der Genuss schwer verdaulicher Nahrungsmittel, kalter Speisen und Getränke, unregelmäßiges Essen und längeres Fasten sollten bei einem starken oder gestörten Vata-System gemieden werden.

Die drei doshas Vata, Pitta und Kapha sind sicher die bekanntesten Ayurveda-Begriffe, mit deren Hilfe die menschlichen Konstitutionstypen auf altbewährte Weise unterschieden werden. Im Ayurveda fusst auf den doshas nicht nur die Bestimmung der persönlichen Konstitution, auch die Einteilung von Nahrungs- und Heilmitteln und die Kunst der Ausleitungsverfahren kreisen darum. Die doshas sind im ayurvedischen Verständnis für alle Veränderungen im Körper verantwortlich bzw. steuern diese: die Wirkungen von Tages- und Jahreszeiten, Lebensstil- und phasen, Klima und Landschaften und eben auch emotionalen Einflüssen auf unser Körpersystem werden mittels der doshas geordnet. Diese entsprechen auch der Dynamik und den Eigenschaften der Elemente und weisen uns als Teil der Natur aus.

Ayurvedisch gesehen kann ein natürliches Milieu ölig, feucht, schleimig oder tocken sein, hyperaktiv, heiß, hart oder gasförmig, sicher ist: unsere Enzyme, Hormone und Neurotransmitter sind von optimalen Milieuverhältnissen abhängig. Vata hat folgende Eigenschaften: Trocken, kühl, leicht, fein, beweglich, nicht schleimig bzw. klar, sowie rau. Um ein dosha auszugleichen, muss man entgegengesetzte Eigenschaften zuführen. Wenn man also ausgelaugt und durch den Wind ist, sollt man nur leichte und der Seele schmeichelnde Dinge zu sich nehmen, wie süsse Früchte, Grießbrei mit Nüssen und Honig, ein Schaumsüppchen mit einem Sahnehäubchen, ein feines Smoothie.

Wodurch werden Wetterhahn und Wind eigentlich bewegt? Durch Verschiebungen in den Luftdruckverhältnissen! Dieses dynamisches Milieu ist eine Atmosphäre voller Wandlungen auf der Basis grundlegender Naturgesetze. Wenn wir entspannt und bei uns sind, kann der Druck nicht an, wenn wir uns aussetzen, permanent unterwegs und unterhalten sind, dann steigt unser Vata, wir sind und fühlen uns unter Druck, unterdrückt, vielleicht sogar depressiv.

Ich sah gestern einem orangen Mini-mini-Lebewesen auf einer Baumrinde zu, das emsig im Kreis zu laufen schien, dann aber doch seinen Weg zwischen zwei Kratern und ein paar Flechten fand und in einem kleinen Loch verschwand. Seine Energie war stark und meine Augen verfolgten es unausweichlich. Wir sind Teil dieser weisen Erde und werden von ihr gesteuert, durch und durch.

Mit einigen grundlegenden Kenntnissen über die Eigenschaften oder die dosha- Zuordnung von Nahrungsmitteln, Heilmitteln und Verhaltensweisen kann jede/r seine Befindlichkeit einfach und bewusst positiv beeinflussen. Die ayurvedische Lebensweise ist stets bemüht, durch Ernährungs- und Verhaltensempfehlungen, sowie durch Heilmittel, die vorherrschenden Eigenschaften zu besänftigen. Auch ist es parallel dazu wichtig, dem Körper durch Ausleitungsverfahren die störenden Substanzen wieder zu entziehen. Überschüssige Eigenschaften werden durch entgegengesetzte „geschmiert“ oder gelindert und durch diese Milieukorrektur kann sich eine normale Funktion wieder einstellen. Dieses „Schmieren“, dieser Balsam, kann auch ein Schlaflied oder die sanfte Berührung eines Haustieres sein, oder der Duft von Rosen und frischem Heu.

Die traditionelle Ayurveda-Medizin beschreibt die als Nahrungsergänzung leicht erhältlichen Medhya-Rasayanas als Kräuter, die sich durch eine besonders Vata-besäftigende, Nerven, Konzentration und Leistung steigernde Wirkung auszeichnen. Im Rahmen einer ganzheitlichen Ayurveda-Therapie bei stressbedingten Beschwerden werden sie als fester Bestandteil eines Behandlungsplans eingesetzt.

Amalaki, die Amla-Frucht (Phyllanthus emblica) ist der Allrounder gegen Stress. Die als „Mutter der Medizin“ bezeichnete Amla wird in der traditionellen Ayurveda-Heilkunde für ihre schützende und regenerative Wirkung gegen alle stressbedingten Erkrankungen sehr geschätzt.

Ashwaghanda, die Schlafbeere (Witania Somnifera) ist ein sehr gutes Akutmittel gegen Erschöpfung und Leistungsschwäche. Das Pulver aus der Wurzel der Pflanze wird im Ayurveda für seine nervenberuhigende, immunstärkende Wirkung sehr geschätzt.

Brahmi, das Nabelkraut (Bacopa monnieri) gilt unter allen Medhya-Rasayanas als beste Pflanze für den Geist, um höhere mentale Fähigkeiten zu erwecken. Sie ist eine sehr wirkungsvolle Rasayana-Pflanze, um das Gedächnis zu verbessern, die Nerven zu beruhigen und die Konzentration zu steigern.

Guduchi, (Tinospora cordifolia) ist eine besonders ausgleichende Rasayana-Pflanze für alle doshas. Die Kletterpflanze mit herzförmigen Blättern ist bekannt für ihre ausgleichende Wirkung auf das Verdauungssystem und die Psyche. Speziell für Menschen, die unter Druck mit Verhaltensauffälligkeiten oder Ticks reagieren, wird Guduchi als Nahrungsergänzung zur Selbstregulation empfohlen

Mandukarpani, (Centella asiatica) zeichnet sich durch eine angstlösende und beruhigende Wirkung aus. Die Heilpflanze wird als bewährtes Mittel bei psychosomatischen Stresserkrankungen und zur Burnout-Prophylaxe eingesetzt.

indische stachelbeere hängt an einem Baum, himmelsblau scheint durch die Zweige

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