Das Beste aus zwei Welten? Ein Erklärungsbedarf

Die Diskussion in Indien und weltweit darüber wie und ob man Covid-19 in den Griff bekommen könnte ist voll entbrannt. Dabei entpuppt sich der Skandal, dass sich der ICMR (Indischer Rat für medizinische Forschung) hochmütig erdreistet zu entscheiden, welche ayurvedischen Mittel Covid-19-PatientInnen gegeben werden, ohne die wissenschaftliche Expertise der ayurvedischen Vaidyas (traditionelle Mediziner) explizit zu Rate zu ziehen.

Für die Weltsicht des Ayurveda, welches grundlegend holistisch und dynamisch ist, gibt es nur permanente Wechselbeziehungen zwischen den drei Doshas (Bioenergien) Vata, Pitta und Kapha. Kein Teil der Existenz funktioniert unabhängig oder getrennt voneinander. Diese drei steuern unsere psychophysiologische Funktionsfähigkeit. Jeder erfahrene ayurvedische Vaidya wird zuallererst versuchen die Ursache (nidana) einer Krankheit festzustellen, die ersten symptomatischen Anzeichen (purvarupas) und handfesten Symptome (lakshanas). Er wird PatientInnen nie pauschal, sondern immer nur auf Basis von desha (Ort), kala (Jahreszeit) und prakriti (Konstitution) behandeln.

Charaka hat etwa bereits vor 2000 Jahren formuliert, wie Yoga anzuwenden ist, oder welche Rezepturen genau welches Dosha ausgleichen. Nagarjuna, ein berühmter buddhistischer Arzt nannte jene Kräuter und Mineralien, die man zur Behandlung von Fieber und Atemwegsinfekten einsetzen kann. Er legte auch die verschiedenen Shodanas (Reinigunsmethoden) fest, die im Vorfeld des therapeutischen Einsatzes von Metallen unbedingt nötig sind. Nun setzt aber der ICMR ungeachtet dessen das Metall Zink zur Behandlung von Covid-19 ein. Die ayurvedische Medizin hingegen wurde in vielen westlichen Medienberichten verrissen, eben weil sie Metalle in ihrer Medizin einsetzt, obwohl etliche ayurvedische Wissenschaftsberichte bereits hinreichend dargelegt haben, in welchem Zusammenhang dies allein geschieht. Metalle werden immer in bhasmas (Ascherezepturen) und andere Zubereitungsformen umgewandelt, um vom Körper assimiliert werden zu können. Denn Ayurveda weiß von alters her, dass es spezieller Reinigungsmethoden bedarf um metallische Therapeutika erfolgreich in den Körper bringen zu können. Dieses Wissen wird aber in der Behandlung von Covid-19 in Indien nicht zugezogen. Anstatt dessen wurden bereits unzählige Artikel veröffentlicht, die Ayurveda dafür anklagen, Metalle therapeutisch einzusetzen bzw. generell medial diskreditierende Angriffe an die Käutermedizin des Ayurveda geschaltet.

Ayurveda muss nun im Rahmen der Pandemie aufstehen und die Lösungen und Methoden seines weltweit ältesten Medizinsystems klarstellen und verteidigen. Für ayurvedische Mittel, die seit Jahrhunderten erfolgreich angewandt werden und wirksam sind, bedarf es dabei durchwegs nicht derselben wissenschaftlichen Beweise und Studien wie für soeben erst entdeckte Moleküle der schulmedizinischen Forschung. Es müsste eigentlich einen Aufschrei geben quer durch die Welt der Wissenschaft, dass zum Beispiel aktuell von der Schulmedizin Zink Covid-19-PatientInnen ohne kontrolliertes Zufallsexperiment  verabreicht wird. Das Beste aus zwei Welten wäre hier gefragt! Aber anstatt der ayurvedischen Medizin auf Augenhöhe zu begegnen und Ihr Wissen zu heben, werden ayurvedische Vaidyas im Zusammenhang mit der Behandlung der Krankheit Covid-19 diskriminiert durch die Herangehensweise westlicher Ärzte, deren ökonomisches Interesse sich an die Krankheit heranmacht.

Wer profitiert von dieser Spaltung? Wie ist es möglich, dass dieses Vorgehen der westlichen, weissen Schulmedizin nicht gesehen wird und die breite Öffentlichkeit dazu schweigt? Die einzig logische Erklärung ist deren immer noch geltende Vorherrschaft und Macht. Yoga und die Kräutermedizin des Ayurveda dürfen ruhig unter den Leuten sein und mitten im System, aber die Tatsache, dass Sudarhan Churna oder Vyagradi Kashayan-Anwendungen in der Behandlung von Covid-19 PatientInnen wirken, wird unterschlagen, denn daraus kann niemand einen finanziellen Profit schlagen. Abgesehen davon wird wie bereits erwähnt Ayurveda aktuell vom ICMR nach seinem Wissen auch gar nicht gefragt. Eine Impfung hingegen macht Sinn, jedenfalls für die Pharmaindustrie, die uns glauben macht, dass wir ohne sie alle sterben werden.

Ist die westliche Schulmedizin wirklich nur plump, wenn sie eine Krankheit A mit immer nur dem gleichen Medikament X behandelt? Diese vereinfachende Methode für die Komplexität des Lebens ins Spiel zu bringen hat System und handfeste Interessen stehen dahinter. Nicht Ayurveda, das älteste Medizinsystem der Welt hat einen wissenschaftlichen Nachhol- und Erklärungsbedarf, denn dessen Wirksamkeit tut dies seit Jahrtausenden.  Es sind andere Untersuchungen, Auseinandersetzungen und Richtigstellungen, die mehr als anstehen.

Dieser Text ist Teils eine Zusammenfassung des Artikels von Sheela Rani Chunkath, Tamil Nadu

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